Monumente & Sehenswürdigkeiten

Hinter den Kulissen der Juweliere des « Place Vendôme »

Text Nicole Hitzelberger 26 März 2018

Jedes Mal wenn ich in Paris um den « Place Vendôme » spaziere und mir die Vitrinen mit diesen wunderschönen und kunstvoll gearbeiteten Schmuckstücken aus Diamanten, Rubinen, Smaragden und Saphiren anschaue in den Boutiquen all dieser weltberühmten Juweliere – wie Cartier, Bvlgari, van Cleef & Arpels, Chaumet, Fred, Poirey, Mauboussin, Boucheron, Piaget, Chopard, Dior, Chanel… –, dann denke ich natürlich an all die Frauen, die die Chance haben, diese Schätze der « Haute Joaillerie »,  die oftmals 5- bis 6-stellige Beträge wert sind, zu tragen. Aber ich wollte auch schon immer einmal wissen, was denn so ein Schmuckstück der « Haute Joaillerie » außer seinen Edelsteinen und dem Gold so kostspielig macht. Und was ist die Geschichte der « Haute Joaillerie » ?

Da ich in der « Haute Couture » gearbeitet habe, weiß ich, dass es manchmal bis zu 500 Stunden braucht, um ein einziges Kleidungsstück zu fertigen und dieses bis zu 20 Mal die Hände wechselt und bis zu zehn verschiedene Gewerbe an der Fertigstellung beteiligt sind. Wie ist es bei einem Schmuckstück der « Haute Joaillerie »?

In den letzten Jahren habe ich einige exzeptionelle Juwelierausstellungen hier in Paris besuchen dürfen:

« Des Grands Moghols aux Maharajahs » im Grand Palais in Zusammenarbeit mit Cartier

« L’Art de la Haute Joaillerie – van Cleef & Arpels » im Musée des Arts Décoratifs

«Vendôrama- Boucheron» im Musée la Monnaie

« Medusa » Bijoux et Tabous im Musée de l’Art Moderne

Auf diesen Ausstellungen wurden sehr alte und sehr moderne Schmuckstücke gezeigt und daher interessiert es mich auch, mehr über die « Haute Joaillerie » im Wandel der Geschichte zu erfahren.

Daher wieder zurück zum « Place Vendôme » und einem Ort, an dem ich mehr erfahren werde. In Zusammenarbeit mit « van Cleef & Arpels » wurde hier 2012 die « Ecole des Arts Joailliers » gegründet, die interessierten und neugierigen Menschen wie mir einen professionellen Einblick in die Juwelierkunst gibt.

Hier werden zwei- bis vierstündige Kurse angeboten, die in vier Kategorien eingeteilt sind:

(Die Teilnehmerzahl ist je nach Kurs begrenzt und es gibt immer zwei Referenten oder Schmiedemeister des Hauses « Haute Joaillerie van Cleef & Arpels », die die Kurse gemeinsam oder abwechselnd animieren.)

« Initiation »  

  • der erste Schritt in die Juwelierkunst
  • Verlobungsringe: Geschichte und Wissenswertes über sie

« le savoir-faire » 

  • Praktiken und Techniken der Juwelierkunst
  • vom Design zum Model
  • vom Wachsmodel bis zum Einfassen der Edelsteine
  • vom französischen Bijou zum japanischen Laque
  • Einblick in die Kreation von « van Cleef & Arppels »
  • Wasserfarbendesign (Gouache) in der « Haute Joaillerie » 1 – Das Licht
  • Wasserfarbendesign (Gouache) in der « Haute Joaillerie « 2 – Die Farbe

« l’histoire de l’art du bijou »

  • Gold und Bijoux von der Antike zu den Prinzen der Renaissance
  • Die Geburt der Juwelierkunst
  • Das Bijou « Art Nouveau »: von der Schule zum Museum
  • Amulette und andere Symbole mit Geschichte
  • Das Tragen eines Bijou: Code und Kultur
  • Reise in das Universum von « van Cleef & Arpels »

« l’univers des pierres »  (das Universum der Edelsteine)

  • Edelsteinkunde
  • Edelsteine erkennen
  • Die Faszination des Diamanten 1: Geschichte und Legende
  • Die Faszination des Diamanten 2: Gemmologie und Wissenschaft

« ateliers créatifs » (diverse Kreativateliers für Kinder von 5 bis 16 Jahren)

Die Auswahl ist schwer und ich würde mich am liebsten für alle Kurse einschreiben, denn alles interessiert mich brennend.

Nun gut, vielleicht sollte ich erst einmal einen geschichtlichen Überblick und Einblick in die « Haute Joaillerie » bekommen, bevor ich anfange, Diamanten, Rubine und Saphire zu untersuchen, ihre diversen Schliffe unter einer Lupe zu bewundern und nach Größe und Reinheit zu sortieren oder gar anfange, Edelsteinfassungen zu polieren…

Also auf zu meinem Kurs « L’histoire de la Joaillerie /Le grand Roman de la Joaillerie »

Wie erwünscht, erscheine ich 15 Minuten vor dem offiziellen Kursanfang und werde dort, nachdem ich mich am Empfang eingeschrieben, meinen Mantel abgeben und meinen Badge empfangen habe (jeder Kursteilnehmer trägt einen verschiedenfarbigen Badge je nach seinem gewählten Kurs) in einen hellen großräumigen Salon geführt. An den Wänden befinden sich Zeichnungen von Bijoux und in einigen hübsch arrangierten Regalen Werkzeuge der Juwelierschmiede. Hier treffen sich alle Kursteilnehmer (ein sehr internationales Publikum, einige Kurse werden auch in englischer Sprache angeboten), um mit ihren jeweiligen Lehrmeistern in weißer Bluse für die praktischen Kurse und den Referenten an einem Buffet mit Säften, Kaffee und feinen Patisserieleckereien Bekanntschaft zu machen. Sobald die Klinge ertönt, ist es Zeit,  seinem Kursleiter auf die Etage zu folgen. In meinem Fall geht es in einen Kursraum, in dem sich ein großer Flachbildfernseher befindet sowie ein Tableau mit den Namen und Karateinheiten der größten bekannten Diamanten. Um den Saal herum sind Frauengemälde aufgestellt, die SELBSTVERSTÄNDLICH Schmuck tragen aus verschiedenen Zeitepochen. Auf den Tischen befindet sich für jeden Teilnehmer ein schöner Schreibblock der Schule mit einem Bleistift und auf einen weiteren Tisch Vergrößerungslupen.

Nun erfahren wir in vier Stunden (mit 20-minütiger Kaffeepause) dank unser passionierten Referenten und Unterstützung von Fotos, diversen Illustrationen und Dokumentationsmaterial wirklich alles Wissenswertes über die Geschichte der Juwelierkunst: Zum Beispiel dass zu Beginn nur Könige und Divinitäten sich mit Ihnen schmückten, um so ihre Macht und Reichtum zu zeigen, später dann Päpste und Kirchen, um das normale Volk einzuschüchtern und zu beeindrucken. Dass es vor den Edelsteinen die Perlen waren, die den Reichtum auszeichneten und dass Julius Cesar vernarrt war in Perlen. –  Dass Paläste und sogar Länder gegen Juwelen getauscht wurden. – Von dem Stil und Modewandel der Juwelierkunst des Neoklassizismus hinüber zum Style Empire, Art Nouveau bis hin in unser Jahrhundert, in welchem sie – auch durch die Invention der künstlichen Edelsteine (z.B. Swarowski) – «popularisiert«  wurde.

Uns wird von dem Raub der Juwelen der Comptesse de Barry, Geliebte Ludwig des XV,  erzählt und erklärt, warum dieser mitverantwortlich war für den Fall der Marie Antoinette, Frau Ludwig des XVI. – Wir erfahren, dass die Kollektion von Liz Taylor 2011 der Auktionsrekord war, gefolgt von der Kollektion im Jahr 2007 von der Herzogin von Windsor (Sie wissen schon, der Herzog von Windsor hatte auf den Thron verzichtet, um diese Lady zu heiraten). – Auch wird uns gesagt, dass Platingold erst Anfang des 19. Jahrhunderts in der Juwelierkunst benutzt wurde und dass das Haus Cartier darin Vorreiter war. – Natürlich lernen wir auch viel über die Geschichte des « Place Vendôme » und über die ersten Juweliere, die sich hier niedergelassen haben… Ich könnte jetzt noch Seiten fortfahren, soviel Interessantes habe ich erfahren und so viele kleine Anekdoten wurden berichtet.

Auch wir wurden in den Kurs einbezogen – wir konnten nicht nur Fragen stellen und mit den Referenten diskutieren, sondern uns wurden prickelnder Weise auch einige Koffer mit « Schmuckparuren « (eine Parure bestand immer aus zwei Ohrringen, zwei Armbändern, einem Diadem, einer Brosche und einem Collier) gebracht, die wir dann unter einer Lupe genauer ansehen konnten. Allerdings wurden bei den meisten die Edelsteine gegen Halbedelsteine oder Strass ausgetauscht (versteht sich, einfach zu wertvoll für Schulungen). Zum guten Schluss wurden wir dann am Ende einem kleinen Test unterstellt, wir sollten mit unserm gerade erstandenen Wissen die Porträts der Damen mit ihren diversen Kleidern und Geschmeiden zeitlich ihrer Epoque zuordnen. Schließlich verließen wir dann unseren Saal mit einer hübschen kleinen schwarzen Stofftasche, einem auf unseren Namen ausgestellten Zertifikat, dem Katalog der Schule und natürlich unseren Notizen.

Ich kann nur sagen: Bravo, eine tolle Organisation, schöne Location und vor allem kompetente und äußerst nette Referenten!

In der Pause und auf dem Rückweg zum Ausgang konnte ich dann auch einen Blick in die Bibliothek und die Räume der « praktischen » Kurse werfen mit den Arbeitstischen, Feilen, Lupen, Fräsen und den vielen Feinstwerkzeugen und ich bin mir ziemlich sicher, ich komme wieder… Zudem mir die Leiterin des Etablissements bei der Verabschiedung mit einem Lächeln auf meine Frage, ob es den auch möglich wäre, Kurse in deutscher Sprache anzubieten, antwortete : « Tout est possible! ».

Na hervorragend, so kann ich Ihnen auch diese « Experience »  ermöglichen und natürlich wennschon dennschon personalisieren, vielleicht mit Ihnen ein bisschen Geschichte und ein bisschen Edelsteine bestaunen…

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