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Azzedine Alaïa – « Der Kleinste » unter den großen französischen Modeschöfern

Text Nicole Hitzelberger 24 Februar 2018

In diesem Artikel möchte ich Ihnen Azzedine Alaïa, den kürzlich verstorben französischen Modeschöpfer mit tunesischer Herkunft vorstellen. Nicht nur, dass mir seine Modelle und Kollektionen schon immer gefallen haben, mit ihm verbindet mich noch so einiges mehr.

Sein Showroom, sein Atelier und seine Wohnung befinden sich nicht weit von mir, ich begegnete diesem kleinen Mann (Körpergröße 1,57m) mit großer Ausstrahlung oft auf der Straße. Meine Kinder gingen in die Grundschule, rue Moussy, die direkt neben seinem Showroom liegt, und kamen oft ganz aufgedreht nach Hause, um mir zu erzählen, dass sie Lady Gaga, Naomi Campbell oder Madonna aus dem Taxi haben steigen sehen…

Sonderausstellung nach seinem Tod im Firmensitz

Außerdem arbeitete er lange Zeit mit einem anderen bekannten französischen Modeschöpfer « Thierry Mugler », für den ich selbst fast 10 Jahre gearbeitet habe. Zu  guter Letzt lebte er 40 Jahre zusammen mit dem norddeutschen Maler Christoph von Weyhe.

Also Gründe genug, Ihnen diese Personalität der Modebranche ein wenig näher zu bringen !

Sein Interesse für Mode und deren Konfektion wird früh in ihm geweckt: Er beginnt bereits mit 16 Jahren sein Bildhauereistudium an der Hochschule für angewandte Künste in Tunis und aus Interesse sowie Geldnot weiht ihn seine Schwester in die Schneiderkunst ein. Er hilft ihr bei der Arbeit und verdient sich so Geld für das Studium. Er ändert Kleider ab, bis er schließlich nach und nach eigenen entwirft, er kopiert zu Anfang Modelle und Entwürfe der großen Modehäusern wie „Balmain“ und „Dior“ aus Frauenzeitschriften.

Sein Ruf ist so gut, dass eine Freundin der Familie ihn 1957 in Paris bei Dior empfiehlt. Doch bereits nach fünf Tagen (an denen er Etiketten annähte) wird er wieder gefeuert. Der Algerienkrieg ist immer noch in vollem Gange, nordafrikanische Männer mit dunklen Locken haben zu dieser Zeit einen schweren Stand. Eine tunesischstämmige Bekannte seiner Familie besorgt ihm einen Job als Babysitter und Haushälter bei einer reichen Pariser Familie. Diese stellt ihm ein Schreiben aus, damit die Polizisten ihn gewähren lassen, wenn er die Kinder spazieren fährt.

Azzedine Alana Ausstellung im Museum Galliera 2013

Durch sie wird er auch in die Kreise der reichen Pariser Familien eingeführt und bekommt so seine ersten Privatkundinnen. Eine richtige Schneiderausbildung bekommt er aber über 2 Jahre im Coutureatelier « Guy Laroche » und hilft auch dem Créateur und späteren Freund « Thierry Mugler » bei seinen Kollektionen. Er entwirft seine erste Kollektion für « Charles Jourdan », die ohne viel Erfolg bleibt. In den 70er Jahren endet jedoch das Monopol der wenigen « Haute couture » Häuser wie « Givenchy » und « Yves Saint Laurent », es ist der Begin einer neuen Generation von jungen Modedesignern und so entschließt sich auch « Azzedine Alaïa » mit der finanziellen Hilfe einer seiner reichen Privatkundinnen, ein eigenes Atelier zu öffnen.

In dieses umfunktionierte Appartement folgen ihm seine reichen Pariser Kundinnen sowie auch neue: « Garbo, Rothschild, die Tänzerinnen des Crazy Horse ». Schließlich wird auch die Presse auf ihn aufmerksam und nach Zureden seines Freundes « Thierry Mugler » entschließt er sich, seine eigene Marke zu starten und seine erste eigene Kollektion zu entwerfen.

Die 80er Jahre sind die Mode der breiten Schultern und oft weiten Kleidung. « Azzedine Alaïa » jedoch bleibt den skulpturellen Formen seiner Modelle treu, Formen, die aus Frauen « Göttinen » machen, Schnitte und Stoffe, die die Frauen « sublimieren »,  ihre « weiblichen Formen » mit excellence und unverwechselbaren Kreationen hervorheben. Bustiers und sichtbare Reißverschlüsse, Leder, Organza, Perlen,… immer sexy, jedoch nie vulgär, schwarz und weiß oder gedeckte Farben sind seine Markenzeichen.

Azzedine Alana Ausstellung im Museum Galliera 2013

Er zeichnet, schneidet und näht seine Modelle selber, macht keine Werbung für seine Marke, scheut Interviews mit Journalisten, hält sich nicht an die vorgegebenen Daten des internationalen Modekalenders und deren Kollektionen, macht nur kleine private Modenschauen und wird dennoch zu einem der gefragtesten Modeschöpfer nicht nur in Frankreich, sondern insbesondere auch in den USA. Alle großen Modezeitschriften widmen ihm und seiner Mode seitenlange Berichte. Die großen Modehäuser reißen sich um seine Kollektionen. Models, die zu dieser Zeit noch keine Top-Models sind wie  Seymour, Iman (spätere Frau von David Bowie, Jerry Hall (Ex-Frau von Mick Jagger), Linda Evangelista, C.Turlington, N. Campbell, Tatjana Patitz, Cindy Craford, Grace Jones, Veronica Webb und viele mehr, arbeiten entgeltlich für ihn, nur um anschließend das Kleid zu bekommen, welches sie während der Show getragen haben. Einige nennen ihn sogar « Papa », da er sich um diese oft noch sehr jungen Models wie ein Vater kümmert.

Die Küchen der Ateliers und Showrooms (Anfangs auch Umkleidekabine der Mannequins), sind und bleiben auch in seinen späteren zwei neuen Adressen, ein zentraler Ort und eines der « chicsten Restaurants » von Paris, hier kocht er zu Anfang selber (später jedoch lässt er kochen) außer für seine Equipe, für Artisten und Promis aus der Mode und Showbranche… Jeder möchte dort eingeladen werden, um ganz unverbindlich, die gute einfache südländische Küche mit ihm und seinen Gästen zu teilen!

Azzedine Alana Ausstellung im Museum Galliera 2013

Selbst nach dem Partenariat mit dem Megakonzern PRADA und später der französischen Luxusgruppe RICHEMONT behält Azzedine Alaïa die Freiheit seiner Kreationen und die Entscheidung, wann eine Kollektion seines Erachtens seinen Einkäufern und der Presse präsentiert werden kann. Er begründet mit Hilfe dieser eine Fondation, die ihm seit Langen schon am Herzen liegt. Er wünscht sich ein persönliches Archiv für seine  jahrzehntelangen Realisationen sowie für seine Sammlung von Filmkostümen, Kreationen von zahlreichen Modeschöpfern, die er bewundert und verehrt wie « Balenciaga », « Schiaparelli », « Paul Poiret »,… 

Seine Fondation verteilt unter anderem auch Stipendien an junge, visionäre Modetalente.

Mit Hilfe Cala Sozzanis lässt der Kollektioneur moderner Kunst, Fotografie und Möbeldesigns auch einen Concept Store in Form eines « Bed and Breakfast » von drei Räumen in seinem letzten Hauptsitz der Firma « rue Moussy » kreieren.

Als man ihm im Jahr 2008 mit der « Légion d’honneur » auszeichnen will, lehnt er diese ab, ebenso wie das Angebot der Nachfolger « John Galliano’s » bei « Christian Dior » zu werden oder schon Jahre vorher Nachfolger « Ginnofranco Ferré’s » im italienischen Modehaus.

Der Modehistoriker und Freund Olivier Saillard sagte über ihn: « Wenn ein Couturier jemand ist, der Körper umformt, dann ist es nur Azzedine Alaïa, der dieses kann….Seine Kleider sind zeitlos und nicht modeabhängig …Seine Kleider sind wie eine Zärtlichkeit für die Frauen. »

            « Je suis Couturier! Certainement pas Styliste. »

Azzedine Alaïa

 

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